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Übungskleidung und Graduierungssystem

Die traditionelle Übungskleidung im Aikido ist der japanische keikogi, wie er auch im Judo oder in etwas leichterer Form im Karate getragen wird. Entworfen oder entwickelt wurde der keikogi etwa um 1900 von Kano Jigoro, dem Begründer des Judo. Daß es sich dabei um Männerunterwäsche handelt, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält, obschon die Hose möglicherweise tatsächlich von japanischer Winterunterwäsche abgeleitet worden ist. Der keikogi ist praktisch und robust und nimmt Schweiß, der beim Training reichlich entsteht, gut auf. Andererseits schafft das Anlegen einer einheitlichen, einfachen Kleidung eine schlichte Atmosphäre ohne Ablenkung, die gleichzeitig eine Verbindung zu der Kultur, die der Ursprung des Aikido ist, herstellt sowie Distanz schafft zu der bisweilen grellen und schrillen Welt außerhalb des Dojo.

Fortgeschrittene Schüler tragen über dem keikogi einen dunkelblauen oder schwarzen hakama, eine Art Hosenrock. Der hakama ist Teil der traditionellen japanischen Männerkleidung, und in der Anfangszeit des Aikido wurde allgemein von allen Schülern erwartet, einen Hakama zu tragen. Aufgeweicht wurde diese Regel wohl u.a. dadurch, daß nicht alle Schüler sich ein solches Kleidungsstück leisten konnten, wenn es nicht etwa einem älteren Verwandten abgeschwatzt werden konnte. Später setzte sich dann in den meisten Schulen und Stilen durch, daß nur von Fortgeschrittenen das Tragen eines Hakama verlangt bzw. ab Erreichen einer bestimmten Graduierung erlaubt wurde, was auch noch deswegen sinnvoll erscheint, weil es sich bei einem Hakama nicht um ein ausgesprochen billiges Kleidungsstück handelt.

Womit wir beim Graduierungssystem angelangt sind. Im Aikido wird das moderne kyū-dan-System verwendet (kyū: Anfänger, dan: Fortgeschrittene), ähnlich wie im Judo, Karate, Ju-jutsu etc. Dieses System wurde ebenfalls von Kano Jigoro um 1900 entwickelt. Zu Anfang gab es im Judo nur zwei Ränge, nämlich Ungraduierte (mudansha) und Graduierte (yūdansha). Letztere sind die sogenannten Dan-Träger. Später kamen noch weitere Abstufungen innerhalb dieser beiden Ränge hinzu, und die verschiedenen Farben für die Gürtel der Anfängergrade wurden wahrscheinlich von den Sportgruppen der Schulen übernommen, wo durch eine ähnliche Farbcodierung die Leistungs- und Entwicklungsstufe der Schüler angezeigt wurde.

Obschon inzwischen einige Organisationen dieses System der farbigen Gürtel übernommen haben, gehört es ursprünglich nicht zum Aikido. Üblicherweise wird dies damit begründet, daß im Aikido jeglicher Wettbewerbs- und Rivalitätsgedanke vermieden werden soll. Trotzdem kann aber, wer eine Weile dabei ist, auch in einer neuen Gruppe ohne größere Schwierigkeiten bestimmen, wo er/sie relativ zu den anderen steht.

Welche Bedeutung haben denn nun die Graduierungen und die damit verbundenen Prüfungen?
Zweck der Prüfungen ist es, den Umfang dessen festzustellen, was ein Schüler gelernt hat. Da es keinen Zwang gibt, etwas zu lernen, gibt es auch keinen Zwang zur Prüfung oder Graduierung. Vielleicht kann man aber die Prüfungen und die damit verbundenen Graduierungen als eine Art Selbsttest auffassen. Eine Prüfung kann dazu genutzt werden, sich den Stand des eigenen Gelernten vor Augen zu führen. Zudem darf spätestens ab dem ersten Dan-Grad endlich der schicke Rock getragen werden. Und evtl. erhält man abhängig von der Graduierung Zugang zu speziellen Lehrgängen und Seminaren.

Nach Ablegen einer Danprüfung erhält man üblicherweise eine Urkunde. Die sieht dann beim Aikikai zum Beispiel wie folgt aus:

Ja, und was steht jetzt darauf geschrieben?

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